Aktuelles


Ausgabe Herbst 2018- Artikel der aktuellen Ausgabe:

 

Hauszeitung der Kirchlichen Sozialstation in Teningen

Gabi-Bürklin

 

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Alles hat seine Zeit: Nach über 30 Jahren Arbeit in „meiner“ Sozialstation geht es mit großen Schritten meinem letzten Arbeitstag entgegen. Am 1. November beginnt mein neuer Lebensabschnitt „Ruhestand“. Ich möchte mich mit vielen Dankeschöns verabschieden:

Danke an alle Menschen, die ich kennen lernen durfte und die mir vertrauensvoll begegnet sind. Danke für die Zusammenarbeit. Danke für Ihr Vertrauen. Danke für die gemeinsame Zeit. Wir haben in der Sozialstation vieles gemeinsam erreicht und sind auch zusammen durch Krisen gegangen. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Sozialstation weiter auf einem guten Weg ist und wünsche allen für das Kommende alles Gute und Gottes Segen!

Ich gehe jetzt in eine neue Zeit, in der noch ein paar Träume auf mich warten!

Ihre

Gabi Bürklin

Beratungsbesuche für Pflegegeldempfänger

 

Beratungsbesuche für Pflegegeldempfänger – Gut beraten, mehr wissen

Sie haben Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung und die Geldleistung gewählt? Dann sprechen Sie uns an, wenn es darum geht, regelmäßig nachzuweisen, dass die Versorgung in Ihrem Haushalt gesichert ist. Wir beraten Sie kompetent und vertrauensvoll.

Den regelmäßigen Beratungsbesuch verlangen die Pflegekassen für alle Pflegearrangements, für die ausschließlich Pflegegeld bezahlt wird und Sachleistung durch eine Sozialstation erfolgt.

Abhängig vom Pflegegrad sind Sie als Pflegegeldempfänger verpflichtet, zwei bis vier Beratungsbesuche im Jahr in Anspruch zu nehmen: Nutzen Sie die Beratung unserer Sozialstation. Die Kosten dafür übernimmt die Pflegekasse.

Pflege zu Hause ist anstrengend und harte Arbeit – wir wissen das und nehmen uns im beim Beratungsbesuch viel Zeit, damit Sie alle Fragen stellen können, die Ihnen auf dem Herzen liegen.

• Gibt es Situationen, in denen Sie überfordert sind? Unsere Beratung hilft Ihnen, Pflegefehler zu vermeiden.

• Wünschen Sie konkrete Tipps für die Pflege? Haben Sie Fragen zum Beispiel zu Ernährung, Lagerung, Körperpflege, Inkontinenz, Sturzprophylaxe, etc.?

• Bei Bedarf können wir weitere Schulungen anbieten, auch dafür übernimmt die Pflegekasse die Kosten, zum Beispiel zu Themen wie Wohnraumanpassung, Hilfsmittel, Unterstützungsangebote. Wir wissen: Bereits kleine Veränderungen können Großes bewirken und die Pflegesituation verbessern.

• Rufen Sie uns an. Wir vereinbaren einen Termin bei Ihnen zu Hause, an dem alle Pflegepersonen und Ihr pflegebedürftiger Angehöriger teilnehmen können. Dann sind alle Beteiligten zusammen, um gemeinsam über die Pflegesituation zu reden.

Wenn Sie uns mit dem Beratungsbesuch beauftragen, verwalten wir Ihre Bratungstermine automatisch, so dass Sie davon entlastet sind. Bisher hat Gabi Bürklin die Beratungsbesuche durchgeführt. Ab November wird Angela Müller Sie zu Hause besuchen und beraten

Anzahl der verpflichtenden Beratungsbesuche nach Pflegegrad

Bei Pflegegrad 1 liegt das in Ihrem Ermessen.

Bei Pflegegrad 2 und 3 einmal pro Halbjahr.

Bei Pflegegrad 4 und 5 einmal pro Quartal.

 

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Hilfe für Konflikte in der Familie

Hilfe für Konflikte in der Familie

Die häusliche Pflege birgt immer auch Konfliktpotenzial innerhalb der Familie. Manchmal ist die Situation so festgefahren, dass die Beteiligten alleine keine Lösung mehr finden. Dann kann eine Familienmoderatorin helfen, wieder ins Gespräch zu kommen. In der Regel ergibt sich ein Weg, wenn die unterschiedlichen Sichtweisen offen ausgesprochen werden.

Wie viele Angehörige ist Eva Koch* ohne bewusste Entscheidung in die Pflegerolle gerutscht. Ihre Mutter verstirbt früh und ihr Elternhaus bietet ausreichend Platz für sie, ihren Mann und die beiden Kinder. Als die Kinder in die weiterführende Schule wechseln, kann Eva Koch dank der Unterstützung ihres Vaters bei der Kinderbetreuung wieder in ihren Beruf als Bürokauffrau einsteigen. Nur zwei Jahre später erleidet der Vater einen Schlaganfall, der eine leichte halbseitige Lähmung, Sprachschwierigkeiten, Wesensveränderungen und Inkontinenz mit sich bringt. Für Eva Koch ist es selbstverständlich, dass sie nun ihrerseits dem Vater hilft. Zusätzlich beauftragt sie einen ambulanten Pflegedienst, der morgens und abends die Grundpflege übernimmt.

Am Anfang steht die Überlastung

Nach kurzer Zeit zeigt sich, dass die beruflichen, familiären und pflegerischen Verpflichtungen nicht in Einklang zu bringen sind. Schweren Herzens gibt Eva Koch ihren Beruf wieder auf. Ihr Mann und die beiden Kinder unterstützen sie zunächst bei der Pflege, ziehen sich dann aber immer weiter zurück. Günther Koch spürt, dass seine Frau überlastet ist, und bittet sie, den Vater für einige Zeit in die Kurzzeitpflege zu geben, um wieder zu Kräften zu kommen. Eva Koch lehnt jedoch rigoros ab: „Das kann ich meinem Vater nicht antun, nach allem, was er für mich getan hat.“ Mehrfach entzündet sich daran ein Streit.

Der Bruder, der in der Nachbarstadt lebt, kommt sporadisch zu Besuch. Er erlebt die Pflegesituation als zufriedenstellend geregelt. Eva Koch fühlt sich dagegen von ihrem Bruder und auch vom Rest der Familie im Stich gelassen. Sie empfindet die Situation als immer belastender. Es ist schwer für sie, den geliebten Vater so verändert zu sehen, und sie fühlt sich schon morgens kraftlos und immer mehr von den Aufgaben überfordert. Gleichzeitig ist sie wütend über das Verhalten ihrer Familie, sieht sich jedoch verpflichtet, alle Anforderungen ohne Klagen zu erfüllen und dem Vater seine Fürsorge zurückzugeben.

So wie Eva Koch geht es vielen pflegenden Angehörigen. Sie übernehmen wie selbstverständlich die verantwortungsvolle Pflege eines Familienmitgliedes. Mit zunehmender Dauer und oft auch wachsenden Anforderungen werden sie immer weiter von der Situation vereinnahmt und häufig kommt es zu Unstimmigkeiten in der Familie. In dieser Situation sollten die Betroffenen Hilfe in Anspruch nehmen. Eine unparteiische Person kann hier helfen, die Sichtweisen aller zu verstehen und eine Grundlage für gemeinsam getragene Lösungen zu schaffen.

Hilfe holen fällt vielen schwer

Wenn es darum geht, Hilfe zu suchen und anzunehmen, ist der erste Schritt der schwerste. Familiäre Probleme werden ungern vor anderen offengelegt. Ist diese Hürde jedoch erst einmal überwunden, sind pflegende Angehörige fast immer erleichtert, bei einem ersten Termin ihr Herz ausschütten zu können. Der Hilfesuchende – meist der pflegende Angehörige selbst oder manchmal auch ein anderes Familienmitglied – steht mit seinen Sorgen und Nöten beim Erstgespräch im Mittelpunkt. Familienmoderatorinnen sind in der Regel erfahrene Pflegefachkräfte mit einer Zusatzqualifikation, die bereits langjährig mit pflegenden Angehörigen arbeiten. Sie können ihre Situation sehr gut nachvollziehen und wollen sich beim ersten vertraulichen Gespräch vor allem einen Überblick über die Situation, die bestehenden Schwierigkeiten und besonders auch über das Befinden ihres Gegenübers verschaffen.

Abwesende Familienmitglieder werden miteinbezogen

Bei einem Folgetermin werden dann alle beteiligten Personen eingeladen, um alle Sichtweisen zu erfassen. Manchmal ist das nicht möglich, beispielsweise würde es den pflegebedürftigen Vater emotional und geistig überfordern, an einem solchen Gespräch teilzunehmen. Manchmal verweigern Angehörige auch die Teilnahme oder sie können nicht teilnehmen, weil sie weit entfernt leben. Wenn das der Fall ist, wird derjenige gedanklich einbezogen, und es wird berücksichtigt, was er vermutlich sagen würde.

Den Ort der Familienmoderation bestimmt der Hilfesuchende. Oft ist es gut, sich auf neutralem Boden zu treffen, zum Beispiel im Büro der Familienmoderatorin. Ist einer der Beteiligten aber nicht mehr mobil, kann es auch sinnvoll sein, dass das Gespräch bei ihm zu Hause stattfindet. Zu Beginn der Familienmoderation werden alle Beteiligten gehört. Ihre Aussagen werden dabei nicht bewertet, es geht zunächst nur darum, den anderen zu verstehen und die unterschiedlichen Sichtweisen zu einem Bild zusammenzufügen. Wichtig ist, dass alle Involvierten bereit sind, offen zu sprechen – auch wenn es schwerfällt. Oftmals zeigt sich dann, dass Probleme lediglich auf unterschiedlichen Sichtweisen beruhen.

Jeder wird gehört

Eva Kochs Bruder hält es beispielsweise für selbstverständlich, dass seine Schwester die Pflege übernimmt. Sie wohne schließlich im selben Haus und habe durch das mietfreie Wohnen und die Beaufsichtigung der Kinder lange Zeit von diesem Arrangement profitiert.

„Da ist es normal, dass du jetzt dem Vater hilfst“, meint er. Durch seine sporadischen Besuche nimmt er zudem die Pflege als nicht so belastend und zeitaufwendig wahr. „Außerdem musst du ja nicht mehr arbeiten und kannst diese Zeit für die Pflege nutzen“, sagt er zu seiner Schwester.

Die Kinder erzählen im Gespräch, wie ungern sie beim Großvater helfen, da sie ihn ganz anders als früher erleben, und es sie traurig macht, ihn so zu sehen. Von seinen Gefühlsausbrüchen und den schwankenden Stimmungen fühlen sie sich überfordert. Günther Koch berichtet von seiner Hilflosigkeit. „Ich will meiner Frau helfen, aber sie lehnt meine Vorschläge ja ab.“ Er selbst sei nicht der „Pflegetyp“ und auch ihm falle es schwer, mit dem Schwiegervater umzugehen. Er habe das Gefühl, selbst wenn er sich überwinden würde zu helfen, würde er es nicht richtig machen.

Es entsteht Verständnis

Die Moderatorin hört nur zu und stellt gegebenenfalls weitere Fragen. Am Ende fügt sie das Puzzle der Sichtweisen für alle zusammen, formuliert die Probleme und zeigt die Stärken der Familie auf, die zur Lösung führen können. In den allermeisten Fällen finden Familien dadurch selbst Antworten und passgenaue Lösungen. Die Moderatorin unterstützt den Prozess bei Bedarf, indem sie Entlastungsmöglichkeiten und Lösungsoptionen aufzeigt. Bei strittigen Punkten vermittelt sie. Welchen Weg die Familie letztendlich geht, ist allein den Beteiligten überlassen.

Selbst wenn nicht für alle Punkte sofort Lösungen gefunden werden, entsteht ein Verständnis, das konstruktive Gespräche überhaupt erst möglich macht. Eva Koch ist beispielsweise erleichtert, dass sie der Familie ihre Situation deutlich machen kann. Zudem versteht sie jetzt, warum ihr Mann und die Kinder sie immer weniger unterstützt haben. Den anderen Familienmitgliedern wird wiederum klar, dass Eva Koch sich nicht nur überfordert, sondern vor allem auch unverstanden fühlt. Dass sie die fehlende Arbeit als Bürokauffrau nicht als Entlastung, sondern als Verlust erlebt.

Die Lösung besteht aus vielen kleinen Bausteinen

Der Bruder bezweifelt allerdings weiterhin, dass es so aufwendig ist, den Vater zu versorgen. Nach dem ersten Treffen übernimmt er daher gemeinsam mit seiner Schwester für einen Tag lang die Pflege und ist erstaunt, wie viel Zeit es kostet und wie psychisch belastend es ist, mit dem Vater umzugehen. Statt wie bisher sporadisch zu kommen, spricht er seine Besuche zukünftig mit seiner Schwester ab. So kann sie die Zeit für andere Dinge nutzen, während sich ihr Bruder um den Vater kümmert. Die Familie nimmt gemeinsam an einer häuslichen Pflegeschulung teil, in der sie vor allem auch die psychischen Auswirkungen der Erkrankung und den Umgang damit erlernt. Zusätzlich besucht der Vater zweimal wöchentlich eine Tagespflege. An diesen Tagen kann Eva Koch wieder ihrem Beruf nachgehen. Ein Teil ihres Verdienstes investiert die Familie in eine Putzhilfe. Günther Koch unterstützt seine Frau, indem er im Haushalt hilft und die Einkäufe erledigt. Auch die Kinder beteiligen sich stundenweise an der Betreuung.

Die Erfahrung zeigt: Familienmoderationen bewegen etwas. Sie helfen pflegenden Angehörigen und ihren Familien einander zu verstehen, Konflikte anzugehen und zufriedenstellende, praktikable Lösungen für Pflegesituationen zu finden. Wenn Sie an einer Familienmoderation Interesse haben, können Sie sich an die Beratungsstelle für ältere Menschen und deren Angehörige wenden oder sprechen Sie Ihre Sozialstation an. Wir helfen Ihnen gerne, eine/n passende/n Mediator*in zu finden.

Autorin: Mareike Ouatedem Tolsdorf

*alle Namen von der Redaktion geändert

 

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Quartiersentwicklung 2020

Häusliche Pflege ist Teil der Gesellschaft – Pflege geht uns alle an

Für das Thema „Pflege und Betreuung alter Menschen“ müssen sich deutlich mehr Menschen deutlich früher interessieren. Neue und kreative Ideen sind gefragt. Was wir als Kirchliche Sozialstationen in der Region bereits dafür tun.

Über häusliche Pflege denken Menschen in ihrem Alltag eher selten nach. Das Thema spielt erst dann eine Rolle, wenn es konkret wird – wenn zum Beispiel Mutter oder Vater pflegebedürftig werden. Erst dann, wenn es nicht mehr anders geht, beschäftigt man sich damit, über Hilfe und Unterstützung nachzudenken. Einzelne Aspekte wie der Pflegekräftemangel oder das neue Pflegestärkungsgesetz dringen zwar ins Bewusstsein der Gesellschaft, führen aber eher nicht dazu, dass man sich dem Thema Pflege wirklich nähert.

Das liegt vor allem daran, dass es sich um einen meist als unangenehm empfundenen Aspekt des Lebens handelt: Man wird gebrechlich und kann vieles nicht mehr selbst tun, oder man erlebt, wie nahe Angehörige, auf die man sich immer stützen konnten, nun selbst Hilfe brauchen. Damit möchte man sich nicht beschäftigen, solange es noch gut geht.

Gesellschaftlicher Brennpunkt

Durch die demografische Entwicklung wird das Thema Pflege jedoch immer mehr zu einem gesellschaftlichen Brennpunkt. Der zu erwartende Anstieg der Pflegebedürftigen aus den geburtenstarken Jahrgängen sowie die meist gewünschte Verzögerung einer notwendigen stationären Versorgung, stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Die Problematik verschärft sich vor allem durch drei weitere Faktoren: Die Pflege-Einrichtungen arbeiten unter hohem wirtschaftlichen Druck. Die Leistungsanforderungen an die Pflegekräfte sind immens. Es mangelt hinten und vorne an Fachpersonal.

Es ist paradox: Pflege wird auf der persönlichen Seite zu lange ausgeblendet. Auf der professionellen Seite ringen wir dagegen darum, dem Bedarf an Pflege nachzukommen. Um diese Situation aufzuhebeln, brauchen wir Ideen und Konzepte, die dazu beitragen, das Thema Pflege aus dem Rand in die Mitte der Gesellschaft bringen.

Zwei Beispiele aus unserer Region

Die ökumenische Sozialstation in Herbolzheim zeigt mit einem jährlichen Benefizprogramm, wie sich das Thema Pflege humorvoll, allgemeinverständlich und kulturell hochwertig auf die Bühne und damit in die Herzen von Menschen aller Altersgruppen bringen lässt. An drei aufeinander folgenden Tagen bietet die Sozialstation ein informatives und unterhaltsames Programm mit Vorträgen, Kabarett und Konzert. Die Abendprogramme sind regelmäßig ausverkauft und die Besucher*innen können feststellen, dass Pflege nicht nur ernste Seiten hat, sondern auch mit empathischen und sogar lustigen Momenten fesseln kann. Das wirkt sich auch auf die Ausbildungs- und Arbeitsplatzsituation aus: Nach jeder Veranstaltung erhält die Sozialstation viele Bewerbungen von Pflegekräften, die sich davon angesprochen fühlen, in einem so dynamischen Umfeld zu arbeiten.

Zweites Beispiel: Seit mehr als 16 Jahren tragen wir als Kirchliche Sozialstationen mit dieser Hauszeitung dazu bei, dass sich Menschen dem Thema Pflege nähern können, bevor es sie selbst betrifft. In GEPFLEGT ZU HAUSE bringen wir zum Teil komplexe Sachverhalte der Pflege in verständlicher Form auf den Punkt, kombiniert mit spannenden Themen rund um das Alter. Pflege geht uns alle an. Wir, die Kirchlichen Sozialstationen in der Region, sehen uns daher in der Verantwortung, tragfähige Netze zwischen der Bevölkerung und der professionellen Pflege zu schaffen – für eine stabile und auch zukünftig qualitativ hochwertige Versorgung.

Nathalie Müller

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